Februar 07: Ferment im Teig
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Ein Gespräch mit Djalma Costa, Mitglied der Leitung des Kinderrechtszentrums
Interlagos (CEDECA Interlagos)
und Koordinator des Brasilienprogrammes von E-CHANGER.
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Tuto: Das Kinderrechtszentrum ist eine NGO - Nicht-Regierungsorganisation...
Wie lebt ihr Eure Beziehung mit der brasilianischen Regierung?
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Djalma: Ja, wir sind eine Gruppe von Menschen, die sich als kleine
Organisation strukturiert hat. Das Ziel, welches uns eint, ist die Verteidigung
der Rechte der Kinder und Jugendlichen. Und gerade dieses Ziel ist das
Zentrum unserer Konflikte mit den verschiedenen Instanzen der brasilianischen
Regierungen: Gemeinde São Paulo, Bundesstaatsregierung von São
Paulo und die Zentralregierung von Brasilien. Denn bis heute sind es gerade
die Strukturen der Regierungen, welche die Rechte der Kinder am meisten
verletzten...
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| Tuto: Das ist eine harte Kritik an den "Rechtsstaat"
Brasilien... |
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Djalma: Leider ist das nichts mehr als das Porträt unserer
gelebten Wirklichkeit. Der brasilianische Staat entstand nicht, um das
Gemeinwohl aller zu garantieren, sondern um die Ausbeutung der "offenen
Adern" Brasiliens zu gewährleisten... Eine kleine, nationale
Elite bereichert sich bis heute... und der Markt der internationalen Abhängigkeit
blüht unbehindert weiter.
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Tuto: Also sind die Kinder bis heute keine absolute Priorität,
so wie es das Gesetz eigentlich verlangt?
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Djalma: Bis heute existiert keine mit Systemlogik verbundene Sozialpolitik.
Noch immer sind die sozialen Herausforderungen des brasilianischen Volkes
ein verwirrendes Laboratorium für neugewählte Politiker, ohne
klare Kriterien, ohne klare Strukturen, ohne allgemeine Richtlinien der
nötigen Dienstleistungen zur Sicherung der Menschenrechte der Kinder
und Jugendlichen. Bis heute wird Sozialpolitik mit Almosen verwechselt.
Wenigstens hat die Regierung Lula mit der Verwirklichung des SUAS - Sistema
Único de Assistência Social = einheitliches System der Sozialhilfe)
begonnen... Doch bleibt die Sozialpolitik weiter ein Netz voller Löcher.
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| Tuto: Worin liegt die Aufgabe des Kinderrechtszentrums? |
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Djalma: Unsere Aufgabe ist es, Ferment im Teig zu sein: die Distanz
zwischen Gesetzestext und Wirklichkeit zu denunzieren, aufmerksam zu machen
auf die erdrückende Spirale der Gewalt, welche die Kinder und Jugendlichen
mit voller Kraft trifft. Nur ein kleines Beispiel: Seit zehn Jahren (also
bereits vor der Gründung des Kinderrechtszentrums) arbeiten wir mit
straffällig gewordenen Jugendlichen. Wir glaubten nie, an die vielbesagte
Ausweglosigkeit der unzähligen Tragödien dieser Jugendlichen...
Immer wieder arbeiteten wir an neuen sozialpädagogischen Formen,
zusammen mit diesen Jugendlichen neue Horizonte zu öffnen. Und die
gemachten Erfahrung sind sehr positiv und geben Hoffnung... Doch allein
kommen wir nicht weiter. Wenn die verantwortlichen Regierungsstellen nicht
einhacken, mitmachen, ihre spezifische Arbeit der Begleitung dieser Jugendlichen
und ihrer Familien nicht erneuern und neu ausrichten, bleibt unsere Arbeit
eine ilusorische Insel.
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| Tuto: Gelingt dieser Dialog mit den verschiedenen Regierungsstellen? |
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Djalma: Manchmal ja, meistens nein, immer nur sehr langsam und
mühsam. Darum bleibt uns keine andere Wahl: wir müssen Druck
ausüben auf die Regierungen... Natürlich auf gewaltlose Weise,
denn unser Handeln muss immer Samen der Veränderungen sein, die wir
zu verwirklichen suchen. Deshalb arbeiten wir oft mit symbolischen Aktionen.
Ende letzten Jahres z.B. bauten wir aus Bambus einen symbolischen "Knast"
und versuchten auf die Wirklichkeit eben dieser Jugendlichen aufmerksam
zu machen... Wir blieben während 48 Stunden bei Sonne und Regen vor
dem Parque do Ibirapuera, dem Stadtpark von São Paulo...
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| Tuto: Hat diese Aktion etwas bewirkt? |
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Djalma: Das Echo in der lokalen Presse war äusserst positiv.
Ein stillgeschwiegenes Thema kam aufs Tapet... Jetzt geht es darum, die
Diskussion und die Debate warm zu halten, um langsam, Schritt um Schritt,
vorwärts zu kommen in unserem Kampf um die Sicherung der Rechte der
Kinder und Jugendlichen.
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| Bildergalerie
über die angesprochene Aktion auf der Homepage vom Kinderrechtszentrum
Interlagos |