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Carnaval in São Paulo

Zuerst möchte ich einmal festhalten, dass ich im Kinderrechtszentrum Interlagos mit offenen Armen empfangen worden bin. Die zwischenmenschliche Wärme, der "Calor humano", ist hier merklich spürbar. Zum Beispiel suchen sich die Mitarbeiter am Morgen auf, um sich herzlich zu begrüssen. Man lächelt sich zu, umarmt sich, manchmal drückt man sich ein Küsschen auf die Wange oder fragt einfach: "Tudo bem?" Darum komme ich auch jeden Tag gerne hierher, weil mit die gegenseitige Wertschätzung gut tut.

 

Über die Karnevalstage war auch das Kinderrechtszentrum geschlossen. Natürlich wollte ich den Karneval von São Paulo kennenlernen. Ein Freund besorgte für uns Eintritte für den grossen Auftritt der Sambaschulen im Sambódromo. Der Sambódromo ist eine konstruierte Avenida mit beidseitigen Zuschauerrängen. Der Eintritt kostete uns 70 Reais (ca. 40 Schweizerfranken), was den zweitbilligsten Plätzen entspricht. Ich war ziemlich gespannt, was mich erwarten würde.

 

 

Am Samstag des Karnevals trafen wir uns im Haus von Dijalma, der als einer der Direktoren im Kinderrechtszentrum arbeitet. Er hatte für uns alle schwarze T-Shirts besorgt, die wir nun mit viel Eifer und Glitzerleim gestalteten. Das "desfile" (Umzug) würde die ganze Nacht dauern, das heisst von 22.30 Uhr bis etwa 6 Uhr morgens. Der Weg zum Sambódromo entsprach einer halben Weltreise, die mir wieder einmal mehr veranschaulichte, wie riesengross São Paulo ist.

 

Den Einmarsch der ersten Sambaschule fand ich überwältigend schön. Es ist als wie ein Meer an farbigen Menschen daherschweben würde. Die strahlenden Gesichter der Teilnehmer und Teilnehmerinnen lassen erahnen, wieviel ihnen dieser Anlass bedeutet. Die einzelnen Schulen arbeiten ein Jahr an ihrem Programm. Nur die besten 14 Schulen gehören zur besten "Liga". Der Umzug der Sambaschulen wird nach strengen Kriterien bewertet. So darf die Schule höchstens eine Stunde benötigen, um das Ende der Avenida zu erreichen. Schafft sie es nicht den Zeitplan einzuhalten, gibt es Strafpunkte.

 

 

Die gespielte Musik der "bateria" (Trommeln, tamburin, cuica, pandeiro etc.), die Melodie und der Text der komponierten Musik, weiter auch die Gestaltung der Wagen, der "fantasias' (Kostüme), die Platzausnützung und vieles mehr werden von Schiedsrichern beurteilt. Der Auftritt lässt die harte Arbeit, die dahinter steckt nur erahnen, denn alles wird mit viel Fröhlichkeit und Leichtigkeit vorgetragen.

 

Bei der siebten und letzten Schule, die Samstagnacht auftrat, war ich schon fast eingeschlafen. Doch gerade diese Sambaschule, die sich "Mocidade alegre" nennt, die das Thema Lächeln repräsentierte, wurde am folgenden Dienstag als Siegerin der oberen "Liga" auserkoren…

 

 

Inzwischen habe ich eine der Möglichkeiten ausprobiert, die mir erlaubt, dem Gestank und dem Lärm der Metropole etwas zu entfliehen. Am letzten Karnevalsfeiertag besuchte ich den "Parque do Ibirapuera", der mit dem Central-Park in New York verglichen wird, eine grüne Erholungsoase mitten im Grossstadtdschungel. Es hat einen See, unzählige Fussball- Basketball- und Tennisfelder, Kinderspielplätze, man kann Fahrräder mieten, sonntags öffentlichen Konzerten lauschen oder eine Show besuchen, die alljährliche "bienal" findet im dortigen Museum statt, und Vieles andere mehr, das ich noch nicht entdeckt habe. Mir genügte es dieses Mal, meine Decke auszubreiten und mich unter einen Baum zu legen. Von meinem Platz aus konnte ich keinen Wolkenkratzer sehen und kurz vor dem Einnicken stellte ich zufrieden Fest., dass auch kein einziges Motorengeräusch an mein Ohr drang.... Que bom!

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Ciao