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CEDECA Interlagos
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Der folgende Tagebucheintrag ist ein erster Versuch euch die Arbeit des
Kinderrechzentrums etwas näher zu bringen. Beim Verfassen des Textes stellte
ich fest, dass es mir innerhalb sechs Wochen gelungen ist, ein Bild vom
Kinderrechtszentrum zu konstruieren, dass es aber unmöglich sein wird,
euch dieses Bild innerhalb eines Berichtes wiederzugeben. Schmunzelnd
musste ich mir dann eingestehen, dass ich im Gegensatz zu euch ja nun
bereits einige Zeit in der brasilianischen Realität lebe, viel beobachtet,
gelesen und erfahren habe und diese Fülle nicht einfach in einem Bericht
abhandelbar ist.
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Das brasilianische Parlament verabschiedete 1990 ein Kinder- und Jugendstatut,
das dem Verfassungsgrundsatz in klar definierten Gesetzen Wirkung verschafft.
Seither haben Kinder- und Jugendliche ein verbrieftes Recht auf medizinische
Versorgung, Schulunterricht, menschenwürdige Behandlung usw. Die Gesetzgebung
und die gelebte Wirklichkeit klaffen in Brasilien jedoch immer noch weit
auseinander. Doch das Kinder- und Jugendstatut (Estatuto da Criança e
do Adolescente - ECA) verschafft den Forderungen von Kinderrechtsorganisationen
wie z. B. dem CEDECA Interlagos eine entscheidende Grundlage. Die staatlichen
Instanzen werden vom CEDECA angehalten, ihre auf dem Papier festgehaltenen
Versprechen einzulösen. Das tönt einfach, entspricht aber einer mühevollen
Arbeit und langwierigen Prozessen, die in kleinen Schritten manchmal zum
Ziel führen.
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Der Fokus des Kinderrechtszentrum Interlagos richtet sich, wie bereits
gesagt, auf die Verteidigung und die Wahrnehmung der Kinderrechte. In
vielen Fällen werden diese Rechte verletzt. Darum ist das "Herzstück"
des CEDECA das "Núcleo de Defesa" (Treffpunkt Kinderrecht), ein multidisziplinäres
Team bestehend aus zwei Anwälten, einer Psychologin und einer Sozialarbeiterin.
Das Team untersucht die verletzten Rechte und versucht sie wiederherzustellen.
Ein Beispiel: Letzte Woche suchte eine schwangere Frau das Kinderrechtszentrum
auf, weil sie regelmässig von ihrem Mann geschlagen wird. Ihre drei Kinder
leiden ebenfalls unter der häuslichen Gewalt. Zum Schutz der Kinder und
der Mutter suchte das CEDECA ein "abrigo" ("Haus für Opfer der häuslichen
Gewalt"), wo sie während einigen Monaten Unterschlupf finden.
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Oberstes Ziel des Kinderrechtszentrum ist es, den Menschen ihre Rechte
bewusst zu machen, damit sie in Zukunft als handelnde Subjekte für ihre
Rechte einstehen und ihre Wirklichkeit mitverändern und mitgestalten können.
So versteht sich das CEDECA als Gegenpol zu Organisationen, die in erster
Linie "Almosen" verteilen, um die Münder der Leute sprichwörtlich zu stopfen.
Ich begreife erst jetzt so richtig, wie eng die erfahrenen Lebenssituationen
der Menschen an die staatliche Sozialpolitik geknüpft sind. Darum sind
politische Basisbewegungen, wie z. B. "movimento de moradia" (Wohnpolitik),
"movimento de saúde" (Gesundheitspolitik) etc. , sehr wichtig, welche
die Interessen der Basis in der Öffentlichkeit vertreten.
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Am 8. März 2007, dem internationalen Tag der Frau, nahmen wir in diesem
Sinne auch an der Demonstration für die Rechte der Frau teil. Frauen,
die von uns im Rahmen des Programmes "Ação Família - viver em comunidade"
begleitet werden, setzten sich durch den Protest in der Avenida Paulista
im Zentrum von Saõ Paulo für eine Gleichbehandlung zwischen Mann und Frau
ein. Gerade im letzten Jahr verabschiedete Präsident Lula ein neues Strafrecht,
dass die Frauen vor häuslicher und sexueller Gewalt besser schützen soll,
indem die Täter härter bestraft werden. Die Frauen verlangten in den gerufenen
Parolen mehr Respekt und keine Reduktion auf die körperlichen Attribute.
Unter die Kundgebenden mischten sich viele Demonstranten, die sich lautstark
gegen die Anwesenheit des amerikanischen Präsidenten Bush aussprachen,
der gerade zu diesem Zeitpunkt in São Paulo weilte.
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Diesen Sonntag findet ein, durch das sozialpädagogische Programm R. U.
A. S. initierte Fussballfestival, statt. Der Hintergrund dieses Festivals
ist folgender: Die "quadra", der Ort, wo am Sonntag Fussball gespielt
werden wird, ist der einzige Platz, der den Jugendlichen aus mehreren
Quartieren zum Fussballspielen zur Verfügung steht. Dieser betonierte
Platz gehört einem privaten Eigentümer und wurde viele Jahre durch die
benachbarte öffentliche Schule gemietet. Nun will der Eigentümer diesen
Boden aber verkaufen. Damit würde den Jugendlichen der einzig zur Verfügung
stehende "campo de futebol" entzogen. Die "educadores" (in der Schweiz
würden wir sie vermutlich Sozialpädagogen nennen) vom CEDECA versammelten
nun die Jugendlichen der Umgebung, um ihnen die Möglichkeit für Gespräche
untereinander zu geben. Gemeinsam wird darüber nachgedacht, wie man sich
für den Platz einsetzen könnte.
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So wurde die Idee eines Fussballturniers geboren. Die Jugendlichen organisierten
sich untereinander, um den Platz und das Drumherum von Unkraut und Müll
zu befreien, Linien auf den Boden zu malen, Einladungen zu kreieren usw.
Dieser Anlass soll dem Recht der Jugendlichen auf Freizeit und Sport Ausdruck
verleihen, der im Artikel 71 des ECA festgeschrieben steht. Die Jugendlichen
haben für diesen Anlass die Direktorin der benachbarten Schule und den
regionalen Vertreter der Stadtregierung (Subprefeito) eingeladen. Der
Eigentümer des Territoriums konnte bis jetzt noch nicht ausfindig gemacht
werden... Die öffentliche Schule sollte den im Lehrplan festgeschriebenen
Turnunterricht irgendwo erteilen und der "Subprefeito" müsste ebenfalls
mithelfen die Rechte der Schüler und Jugendlichen zu wahren. Ich werde
auf jeden Fall am Sonntag am Anlass dabei sein und gespannt verfolgen,
wie sich diese Geschichte weiterentwickelt.
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