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Mein erster Eindruck in Brasilien

 

Seit zwei Wochen befinde ich mich nun hier in Brasilien als Praktikantin im Kinderrechtszentrum Interlagos. Trotz dieser doch erst kurzen Zeit habe ich schon viele Dinge gesehen, gelernt und erlebt. Mein Ankunftstag fiel zufälligerweise genau auf den 8. März, den internationalen Tag der Frau, an welchem im Stadtzentrum von São Paulo ein Marsch für die Verteidigung der Rechte der Frauen stattfand.

 

 

Das Kinderrechtszentrum nahm anlässlich dessen mit Marionetten, welche Strassenkinder darstellten, am Marsch teil. Ziel war es so auch auf das Phänomen Strassenkinder und deren Rechte aufmerksam zu machen. Im Vordergrund stand aber dennoch der Kampf für die Rechte der Frau. Dieser Marsch war für mich eine aussergewöhnliche Erfahrung, da ich eine solche Aktivität von Österreich nicht kenne. Menschen marschierten gemeinsam für Gleicheit, Gerechtigkeit und demonstrierten die Wichtigkeit der Teilnahme der Bevölkerung.

 

Die Equipe des Kinderrechtszentrums Interlagos ist voller Energie und arbeitet hervorragend als Team zusammen. Ich kam zwar hier als Praktikantin an, wurde allerdings als ein Freund aufgenommen. Neben dem Forschungssektor und dem Herzstück des Cedecas, dem Treffpunkt Kinderrecht, laufen hier noch zwei weitere grosse Projekte namens R.U.A.S und Ação Família. Das Kinderrechtszentrum arbeitet mit 5 Bezirken des Bundeslandes São Paulo, das sind insgesamt ca. eine Million Menschen. Die Psychologen, Künstler, Pädagogen, Rechtsanwälte und Sozialarbeiter versuchen die Bewohner dieser Bereiche durch Interventionen, Projekte, Events und Märsche zu mobilisieren, damit Sie ihre Rechte erkennen und für diese kämpfen.

 
 

Das Projekt Ação Família zum Beispiel realisierte vor kurzem eine Intervention namens Café Filosófico im Armenviertel São Jose um dort eine Bibliothek für die Personen zu errichten. Dadurch können Sie sich selber weiterbilden. Denn nur durch einen gewissen Grad an Bildung ist man in der Lage die Wichtigkeit der eigenen Rechte zu erkennen. Ich nahm an dieser Intervention auch teil und obwohl ich noch nicht so gut portugiesisch sprechen kann, hatte ich schon ein paar kleinere Unterhaltungen mit Erwachsenen und Kindern. Ich habe festgestellt, dass es nicht immer einer Sprache bedarf. Menschen verschiedener Kulturen können auch ohne Sprache miteinander kommunizieren. Manchmal genügt auch nur ein Blick oder Lächeln. Das Projekt R.U.A.S organisierte vor ein paar Tagen ein HIP HOP Event um über die Kriminalisierung der Armut zu diskutieren. Es gab Vorstellungen von Jugendlichen und Professionellen in den 4 HIP HOP Elementen Breakdance, Graffiti, DJ und Musik. Durch dieses Event wollte man auch auf die Herkunft des HIP HOP und die bestehende Diskriminierung der schwarzen Bevölkerung aufmerksam machen.

 

In Österreich, meinem Herkunftsland, gibt es keine Favelas und so extrem viele arme Menschen wie hier. Mein erster Besuch in einer Favela namens Iporanga war daher eine einprägende Erfahrung für mich, welche ich sicher nie vergessen werde. Dieser kurze erste Einblick in das andere Brasilien hat jetzt schon mein Leben und meinen Blick auf die Welt verändert und wird meine zukünftigen Lebensweise mit Sicherheit beeinflussen. Ich schätze die Arbeit des Kinderrechtszentrums sehr und bin glücklich, die Möglichkeit zu haben, hier ein Auslandspraktikum von 4 Monaten zu absolvieren. Trotzdem darf man nicht vergessen, dass Brasilien nicht nur ein Land der Armenviertel, Strassenkinder, extremen Umweltverschmutzung, Polizeigewalt, Ungerechtigkeit, Rassendiskriminierung etc.. ist....Brasilien ist auch ein wunderschönes Land mit seinen traumhaften Stränden, gemischten Kulturen, freundlichen und temperamentvollen Bewohnern, dem Amazonas, Karneval, Fussball, Pastel, Zuckerrohrsaft, der Metropole São Paulo, ...und dafür lohnt es sich zu kämpfen!

 
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Ciao