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Fábio Silvestre da Silva arbeitete ein Jahr als Erzieher im Projekt
Begleitete Freiheit. Bald wurde er für zwei Jahre Koordinator desselben
Projektes, und heute ist er Teil des Vorstandes des Kinderrechtszentrums
Interlagos. Die kurze Erzählung seiner Erfahrungen leitet eine neue Phase
der Homepage von Novo Movimento ein: nicht nur über die Arbeit und den
Kampf der Menschen in Brasilien zu berichten, sondern die Menschen in
Wort und Bild selber hörbar und spürbar werden lassen. Die bewegten Erfahrungen
von Menschen können andere Menschen bewegen...
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Fábio Silvestre da Silva: Das Kinderrechtszentrum Interlagos
ist meine zweite Haut
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Ich bin Kind einer Familie, die nach São Paulo kam auf der Suche nach
einer anderen Zukunft. Geboren wurde ich im Jardim Miriam in der Elendszone
des Südens von São Paulo. Aufgewachsen bin ich ganz in der Südzone von
São Paulo, in Embu-Guaçu. Wie alle Schwarzbrasilianer wollte auch ich
immer Fussballspieler werden. Überraschend für dieses Land voller Vorurteile
kam ich diesem Traum auch recht nahe. Bis ich achzehn Jahre alt war, spielte
ich in verschiedenen Teams mit nationalem Respekt.
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Doch ich wollte mehr und wagte einen frechen Spielzug. Ich machte mich
an die Numerus-Klausus-Prüfung und wollte an die Universität. Der Trainer
meines Teams akzeptierte diese Entscheidung nicht, und ich hängte die
Fussballschuhe an den Nagel. Der Anfang an der Universität war schwierig,
denn das Monatsgeld für meinen Psychologiekurs war sehr teuer. Meine Eltern
machten alles, um mir zu helfen. Doch auch sie brauchten meine Hilfe.
Als ich bereits Psychologie studierte, begann ich meine erste, registrierte
Arbeit: der Ball kam ins Rollen…
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An der Uni veränderte sich mein Leben. Dort lernte ich auch meine Partnerin
kennen. Im letzten Studienjahr merkten wir, dass noch jemand zu unserem
kleinen Team dazu kommen wollte. Die finanziellen Schwierigkeiten spitzten
sich zu. Ich wurde arbeitslos und verschuldete mich an der Universität.
Schmerzlich entdeckte ich, wie schwierig es ist, im Land des Fussballs
ins Wissen zu investieren. In diesem schwierigen Moment war das Zusammenspiel
mit meinem Schwager enorm entscheidend. Er verkauft Fisch auf dem Markt
und lud mich ein, mit ihm täglich auf den Markt zu gehen. Ich nahm die
Herausforderung an und lernte, was die Akademie mir nicht ermöglichte.
Im wahrsten Sinne des Wortes lernte ich, meinen Fisch zu verkaufen [Anmerkung
zur Übersetzung: ‘den Fisch verkaufen’ meint in Brasilien ‘sich durchsetzen,
durchkommen, weiterkommen’].
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So überstand ich die schwierigste Phase meines Lebens. Als mein Studium
abgeschlossen war, machte ich verschiedenste Arbeiten im Gebiet der Psychologie:
im Spital, in der Klinik, in Heimen, in Firmen. Doch bald zog es mich
zurück zu meinen Wurzeln in der sozialen Arbeit. Im Jahre 2002 begann
ich einen Nachdiplomskurs in Sportpsychologie. Es war ein sehr bewegendes
Jahr, denn zur gleichen Zeit wechselte ich zum Team des Kinderrechtszentrums
Interlagos.
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Heute sind es zehn Jahre her seit ich mein Diplomkurs in Psychologie
beendet habe. Und gleichzeitig bin ich am Abschluss meiner Lizenz in Erziehung
an der USP – Universidade de São Paulo, die grösste Universität Lateinamerikas.
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Ich bin zufrieden mit dem Verlauf des Spieles. Ich bin überzeugt, dass
ich selber einige gute Spielzüge gemacht habe. Einige gelbe Karten musste
ich ebenfalls einstecken und gefoult wurde ich auch oft. Doch die Mitarbeit
im Team des Kinderrechtszentrums Interlagos hält meinen Traum aufrecht,
mit zu bauen an einer soliden Zivilgesellschaft: an einer Organisation,
die bewusst ist ihrer Rolle und ihrem Auftrag.
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Wir bauen an einer Kultur der Mitbestimmung, an der Garantie der Verwirklichung
unserer Rechte und an der Übernahme unserer gegenseitigen Verantwortung
am Finden von Lösungen, die Veränderungen für alle ermöglichen.
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Zum Kinderrechtszentrum Interlagos zu gehören ist deshalb nicht einfach
nur eine mögliche Option unter verschiedene Teams. Das Kinderrechtszentrum
Interlagos ist meine zweite Haut geworden...
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| Bild: Bob Wolfenson |
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